StartseiteSchule&Co - Blogspickmich.de - Vorstellung

Es ist eines der Start-Up-Projekte, die sich größter Beliebtheit bei der so wichtigen Werbe-Zielgruppe „Jugendliche“ erfreuen: die Rede ist vom Web 2.0 Projekt spickmich.de, wo SchülerInnen Noten für ihre Lehrkräfte vergeben können:
Wie einfach sind die Arbeiten? Wie sexy ist der Lehrer? Auf all diese Fragen scheinen die Bewertungsergebnisse eine Orientierung zu geben.
Das Projekt ist seit Februar 2007 online – für FLORIAN SKUPIN Lernmedien Anlass,
die Betreiber von spickmich.de zu interviewen und über die aktuellen Entwicklungen zu sprechen.



FLORIAN SKUPIN Lernmedien:
Herr Dirks (Einer der Macher von spickmich.de, Anm. der Redaktion) wie ist die Idee von spickmich.de überhaupt entstanden?

spickmich.de:
Die Idee entstand eigentlich auf einer Uniparty: Tino Keller (26), Manuel Weisbrod (26) und Philipp Weidenhiller (23) (alle drei BWL Studenten aus Köln) hatten sich gewundert, warum man in der Schule seine Lehrer nicht auch regelmäßig benotet, so wie es an der Uni üblich ist. Nach jedem Semester werden dort die Unterrichtsleistungen der Professoren und Dozenten benotet. Man gibt ihnen dabei Noten z.B. für den Inhalt der Vorlesung, ob die ausgeteilten Materialien hilfreich waren und ob die Prüfungen fair sind.

Ein solches Feedback hätten sie früher auch gerne ihren Lehrern gegeben, um die guten mit Lob zu unterstützen und den schlechten Lehrern zu sagen: Hey, hier gibt es noch was zu verbessern.

Dieses Feedback anonym zu geben ist für Schüler sehr wichtig. Als Schüler wird man unweigerlich mit Konsequenzen rechnen müssen, wenn man einem Lehrer offen ins Gesicht sagen würde, dass sein Unterricht schlecht ist und er außerdem unmotiviert der Klasse gegenübersteht.

Was also fehlte war ein Internetportal, in dem man als Schüler anonym und fair seine Lehrer benoten kann. So entstand spickmich.de.



FLORIAN SKUPIN Lernmedien:
Seit Februar 2007 gibt es nun spickmich.de – eine erste Resonanz? Wie haben die SchülerInnen und Lehrkörper auf das Projekt reagiert?

spickmich.de:
Schüler finden die Idee super, was der große Zulauf auch bestätigt. Endlich werden auch sie mal gefragt. Die Anonymität ist ihnen dabei besonders wichtig. Seit dem Start von spickmich.de haben sich 250.000 SchülerInnen angemeldet, die 150.000 Lehrer bewertet haben.

Aber auch die Lehrer interessieren sich für ihr Feedback. Wir haben für sie einen separaten Zugang zur Lehrerbenotung bei spickmich.de eingebaut, damit sie sich jederzeit ihre Noten anschauen können. Fast alle der benoteten Lehrer haben sich schon mal dort eingeloggt.

Die Rückmeldungen der Lehrer sind sehr unterschiedlich. Die meisten Lehrer finde die Idee der Lehrerbenotung gut, einige nehmen es einfach nur zur Kenntnis und einige finden es eben nicht gut.

In den Medien hört man hauptsächlich von Lehrerverbänden und Lehrern, die sich gegen die Lehrerbewertung z.B. mit einer Klage wehren. In unserem E-Mail Postfach landen aber überwiegend unterstützende Mails. Eine Lehrerin schrieb z.B., dass sie sich riesig über die geschaffene Transparenz freut, da nun endlich mal ersichtlich wird welcher Lehrer am Nachmittag für Schüler und die nächsten Unterrichtsstunden schuftet und welcher Lehrer lieber auf dem Tennisplatz steht.

Die Durchschnittsnote der Lehrer in ganz Deutschland beträgt übrigens 2,7!

FLORIAN SKUPIN Lernmedien:
Welche Ziele verfolgen Sie als Betreiber mit dem Projekt „spickmich.de“? Man hört immer wieder, dass solche Plattformen gegründet werden und dann für teures Geld an andere Unternehmen verkauft werden, siehe Youtube.

spickmich.de:
Wir haben als kleines Studenten-Team in einer 20 qm Wohnung angefangen eine Lehrerbenotungsseite für Schüler zu machen, da denkt man nicht an irgendwelche utopischen Verkäufe, sondern freut sich wenn es Leute gibt, die die Seite cool finden.
Mit dem Erfolg mussten wir die Seite auf eine professionellere Ebene bringen, mit mehr Serverkapazitäten, einem Büro und einigen Mitarbeitern. Aber damals wie heute bleibt das Ziel gleich: spickmich.de ist ein Netzwerk für Schüler ab Klasse 5. Jeder Schüler kann sich kostenlos anmelden, ein Profil anlegen und sich dann mit seinen Freunden vernetzen, neue Freunde finden, seine Lehrer benoten, chatten und Spaß haben.



FLORIAN SKUPIN Lernmedien:
Es ging durch die Medien, dass etliche Lehrer Klage gegen spickmich.de eingereicht haben, weil sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sahen. Was tun Sie als Betreiber dafür, dass auch in Zukunft spickmich.de weiter in der Form existieren kann?

spickmich.de:
spickmich.de ist nicht nur ein Schülernetzwerk sondern auch ein Meinungsforum in dem Schüler ihre Meinung über die Leistungen und das Auftreten der Lehrer frei äußern dürfen.
Das Landgericht Köln hat dazu bereits in zwei Fällen entschieden, dass die Namensnennung von Lehrern auf spickmich.de nicht gegen Datenschutzgesetze oder Persönlichkeitsrechte verstoßen (Aktenzeichen 28 O 333/07 und Aktenzeichen 28 O 263/07). Speziell für den Lehrerberuf ergänzte die vorsitzende Richterin Margarete Reske in einem Interview mit der Nachrichtenagentur DPA dass „im Bereich der Berufsausübung muss man sich öffentlicher Kritik stellen“.

Darüber hinaus handelt es sich bei den Benotungen "nicht um Tatsachenbehauptungen, sondern um Werturteile", die durchaus zulässig sind, weil die Grenze zur Schmähkritik nicht überschritten wird, so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung weiter.

Es ist aber auch in anderen Berufszweigen inzwischen durchaus üblich, dass Dienstleistungen z.B. die eines Handwerkers oder eines Uni-Professors auch im Internet benotet und sogar kommentiert werden.

Damit das bei spickmich.de fair abläuft gibt es ganz klare Regeln, an die sich alle Schüler halten müssen:

1. Die Lehrerbenotung stellt eine Chance dar, die eigenen Lehrer fair zu benoten. Denkt bei der Benotung an das, was Ihr selbst von Euren Lehrern erwartet. Seid realistisch und denkt auch an den Ruf und Namen Eurer Schule.
2. Die Zitate-Ecke ist nur für Sprüche gedacht, die so wirklich auch gesagt wurden. Denkt daran, dass es auch im Internet keine Anonymität und Rechtsfreiheit gibt - auch die Lehrer können mittlerweile surfen.
3. Auf keinen Fall gehören Schimpfwörter, Beleidigungen oder ähnliches auf Spickmich. Denkt daran: alles was ihr schreibt kann positiv oder negativ auf euch zurückfallen.
4. Wenn jemand Probleme mit einem Lehrer hat, ist es besser eine direkte Lösung (z.B. ein Gespräch mit dem Vertrauenslehrer der Schule) zu suchen als den Frust in Foren abzulassen.
5. Spickmich ist eure Plattform! Hier könnt ihr euch, eure Schule und eure Lehrer darstellen. Denkt daran, wie ihr für andere dastehen wollt!

Damit Regelverstöße jederzeit gemeldet werden können, ist auf jeder Seite ein Button „Hier stimmt was nicht“, „Diesen Beitrag melden“ oder „Diesen User melden“ integriert. So bekommen wir Regelverstöße umgehend gemeldet und gehen dagegen energisch vor.

FLORIAN SKUPIN Lernmedien:
Das Urteil vom Landgericht Köln wies ausdrücklich darauf hin, dass lediglich die Bewertungen wie sexy, leichte Klausuren, … nicht die Persönlichkeitsrechte der Lehrkörper verletzen, es bei den Zitaten jedoch problematisch werden könne. Wie gehen Sie als Betreiber damit um? Wird es auch in Zukunft Zitate bei spickmich.de geben und in welcher Form könnte eine Überwachung stattfinden?

spickmich.de:
Wir haben vor wenigen Wochen die Kategorien mit Schülern überarbeitet.
72000 Schüler haben abgestimmt was ein guter Lehrer können muss und in welchen Kategorien sie ihre Lehrer in Zukunft benoten wollen.
Wie vorher auch werden Spaß- und Frustbenotungen automatisch aussortiert!

Die Zitate, die auf die Seite der Lehrer eingetragen werden können, werden VOR einer Veröffentlichung geprüft. Sie sollen lustig sein, so wie man sie auch in jeder Abi- oder Abschlusszeitung finden würde. Beleidigungen, etc. haben da keine Chance. Und sollte ein Lehrer der Meinung sein, dass das eingetragene Zitat nicht von ihm stammt, so wird es umgehend und ohne Nachfrage gelöscht.



Wir danken spickmich.de für diese offenen Worte und wünschen dem Projekt alles Gute! Wir selbst werden fortan in regelmäßigen Abständen über spickmich.de berichten!


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